Alt werden in vertrauter Umgebung

Die Ausgangslage:

Die meisten älteren Menschen möchten möglichst lange und selbstständig in der vertrauten Umgebung leben - das belegen zahlreiche Untersuchungen.  
Das trifft auch auf die Senioren in unserem 650-Seelen-Dorf Harpolingen zu. 
Sie fühlen sich hier wohl, auch wenn die Infrastruktur nicht ideal ist – es gibt weder Geschäfte, noch Arzt, Bank, Post oder Gasthaus und die Anbindung mit dem ÖPNV ist spärlich.
Glücklicherweise geht es vielen betagten Menschen in unserem Dorf recht gut, sie sind geistig und körperlich fit, auch in hohem Alter.
Unsere Senioren nehmen gerne an den dörflichen Veranstaltungen teil, gehen zum Senioren-Wandern und zum Sport.
Sie leben meist im eigenen Haus, managen ihren Haushalt und die Gartenarbeit weitgehend alleine, helfen sich gegenseitig und viele fahren noch bis ins hohe Alter Auto.

Solange alles wie gewohnt funktioniert, sind das sicherlich praktikable Rahmenbedingungen für ein selbstbestimmtes Altwerden. 
Aber irgendwann kommt man mit den täglichen Verpflichtungen alleine nicht mehr so gut zurecht.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Häuser der Senioren meist alt und sanierungsbedürftig sind, die Heizungen teils noch mit Holz befeuert
- aber mit einer schmalen Rente sind weder große Baumaßnahmen, noch Umbauten möglich, um Barrieren zu reduzieren.
So wird die steile Treppe zum Schlafzimmer mit zunehmend schmerzenden Knien irgendwann unüberwindbar.  
Stufen, Schwellen und enge, alte Bäder bergen Stolpergefahren. … und oft genug ist ein Sturz beim Aussteigen aus der Badewanne auf nassen Fliesen der Anfang von Bettlägerigkeit und Pflegebedürftigkeit.
Dann sind hilfebedürftige Menschen gezwungen, auf ihre alten Tage den vertrauten Ort zu verlassen.
Sie sind damit nicht nur aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen, sondern meist auch in die komplette Unselbständigkeit gezwungen, die eine professionelle Pflegeeinrichtung den Senioren auferlegt.

Leider gibt es bisher keine kleineren, seniorentauglichen Wohnungen im Dorf, in die unsere älteren Mitbürger umziehen könnten, wenn ihnen das renovierungsbedürftige Haus zu groß und die Gartenpflege zu mühsam geworden sind.
Wer sich verkleinern möchte, muss in die Stadt ziehen.

Das Projekt „Daheim bleiben“

möchte die Voraussetzungen schaffen, damit Harpolinger Senioren solange wie möglich selbstbestimmt im Dorf wohnen können. 
Nur wenige Schritte vom Dorfplatz entfernt und direkt neben der Herz-Jesu-Kapelle gelegen, werden die künftigen Bewohner des geplanten Wohnprojektes weiterhin unmittelbar am Dorfleben teilhaben können.

Es sollen zwölf  barrierefrei gestaltete Wohnungen mit je 50 – 70 m2 entstehen. Sie verfügen alle über schwellenlose Zugänge, bodengleiche Duschen, breite Türen, Hausnotruf und einen Balkon oder Sitzplatz.
Im Dachgeschoss gibt es eine großzügige Familienwohnung  für eine Hausmeisterfamilie, sowie ein Gästezimmer mit Dusche.
Eine gemeinsame, großzügige „Gute Stube“ im Erdgeschoss mit Küche und Sitzplatz im Freien ist der tägliche Treffpunkt für alle, kann für gemeinsame Feste genutzt oder für private Familienfeiern gebucht werden.
Durch die genossenschaftliche Organisationsform ist die Eigeninitiative der Bewohner gefordert; es gibt eigene Gestaltungsmöglichkeiten, nicht nur betreffend Selbstorganisation und Hausordnung, sondern z.B. besteht die Möglichkeit,
einen Gemeinschaftsgarten anzulegen. Die Hausmeisterfamilie im Haus bringt Generationen zusammen und gibt den Senioren die Sicherheit, in handwerklichen Fragen nicht allein zu sein.

Diese Wohnform fällt nicht unter das „Gesetz für unterstützende Wohnformen, Teilhabe und Pflege (Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz, WTPG)“, da es sich um vollständig selbstbestimmtes Wohnen handelt.
Die Wohneinheiten sind aber so gestaltet, dass Bewohner ganz nach Bedarf für sich allein oder gemeinsam externe professionelle oder ehrenamtliche Unterstützungsleistungen organisieren können
(unterliegt damit nicht der Heimaufsicht, aber müsste ggf. angezeigt werden).

Die Wohnbaugenossenschaft

Die Gründung der Wohnbaugenossenschaft selbst, sowie die anschließende Planungs- und Bauphase liegen in der Verantwortung der künftigen Genossenschafter und werden von ihnen finanziert.
Die Genossenschaftsgründung war ursprünglich für Ende Mai 2020 geplant, wird aber aufgrund der Corona-Krise um ca 3-6 Monate verschoben werden müssen.

Die Rolle des Bürgervereins in diesem Projekt

Bis zur Gründung der  Wohnbaugenossenschaft sind zahlreiche vorbereitende Tätigkeiten erforderlich, die z.T. auch mit Kosten verbunden sind, z.B. Voranfragen bei Baubehörden, erste Machbarkeitsstudien beim Architekten, Beauftragung eines Beraters & Moderators für die erste, öffentliche Informationsveranstaltung über das Vorhaben, einschl. Erstellung von Flyern und Informationsmaterial. 
Diese Vorarbeiten haben im Februar 2020 begonnen und werden vom Bürgerverein Daheim in Harpolingen e.V. getragen.
Die Tätigkeit des Vereins ist satzungsgemäß u.A. auf die Schaffung von Strukturen und Einrichtungen ausgerichtet, die der zunehmend alternden Dorfbevölkerung ermöglicht, am Dorfleben teilzuhaben.
Das Projekt „Daheim bleiben“ will über die Möglichkeiten seniorengerechten Wohnens im Dorf informieren und so die Genossenschaftsgründung vorbereiten. Es ergänzt somit die bereits in den letzten Jahren vom Bürgerverein initiierten Seniorenangebote (z.B. Essen in Gesellschaft, Freizeitangebote) um einen weiteren, wesentlichen Aspekt. Zusammen mit dem Projekt „Tischgemeinschaft“ wird das Senioren-Wohnprojekt einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, unser Dorf generationentauglich zu entwickeln.

Die nächsten Schritte

Nach der ersten öffentlichen Präsentation des Projektes im Ortschaftsrat am 22.Mai 2020 wird es im Juni 2020 eine spezielle Informationsveranstaltung für alle Interessenten geben.
Der Termin hängt vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab und wird noch bekanntgegeben.
Fragen können aber schon jederzeit vorher an den Vereinsvorstand gerichtet werden.