Zukunftsprojekt: Harpolinger Tischgemeinschaft

 

Zu den wichtigsten und häufigsten Wünschen, die bei den Harpolinger Zukunftstagen 2017 genannt wurden, zählte ein sozialer Treffpunkt in unserem Dorf.

Dieses Thema wurde daher 2018 in den Workshops "Lebendige Dorfmitte" intensiv diskutiert: es wurde über vereinsgetragene und genossenschaftliche Lösungen beraten,
um zumindest an einigen Tagen oder Abenden pro Woche eine Beiz, ein Café, Bistro oder
Dorftreff ins Leben zu rufen. Die Überlegungen scheiterten dann aber an räumlichen, finanziellen und personellen Gegebenheiten.

Als kurzfristige Lösung ist aus diesen Arbeitsgruppen aber die Idee von "Essen in Gesellschaft" und "Essen im Dorf" entstanden.

Diese Angebote wurden von Senioren und Alleinstehenden von Anfang an gut angenommen und schon bald wurde nach häufigeren Angeboten gefragt. Auch nach zwei Jahren ist die Nachfrage konstant hoch. Für das preisgünstige "Essen im Dorf" sind wir aber durch die räumlichen Gegebenheiten begrenzt.
Auch steht kein barrierefreier Raum zur Verfügung, daher müssen unsere Rollator-Gäste mit tatkräftiger Unterstützung anderer Gäste die Treppen zum Vereinszimmer erklimmen. Den Thermobehälter mit dem heißen Essen samt Salatschüsseln schleppt das Organisationsteam (selbst Senioren) über dieselbe Treppe, nachdem sie es vom "Engel" aus Niederhof geholt haben. Kaffeemaschine, Getränke, Geschirr - alles muss über mehrere Treppenstufen transportiert werden... der Aufwand ist leider zu groß, um das Angebot auszuweiten oder zu verstetigen.

Parallel dazu wächst der Bedarf an Nachmittags- und Ferienbetreuung für Kindergarten- und Grundschulkinder.

Aktuell gibt es noch keine Ganztags-Betreuungsangebote in Harpolingen und Rippolingen, weswegen betroffene Eltern ihre Kinder in Rickenbach oder Murg versorgen lassen - oder in Bad Säckingen, wo Kita- und Hortplätze sehr knapp sind.
Diese Kinder werden damit schon früh aus ihrem dörflichen sozialen Umfeld herausgerissen – sie knüpfen ihre Beziehungen an dem Ort, an dem sie den wesentlichen Teil ihres Tages verbringen, kommen nur noch zum Schlafen nach Hause und werden am eigenen Wohnort fremd.
Gleichzeitig fehlen diese Kinder dem Dorf: als Nachwuchs im dörflichen Kindergarten und der Grundschule, aber auch in den Vereinen und der Feuerwehrabteilung werden sie dringend gebraucht, damit in Harpolingen und Rippolingen eine gesunde, funktionierende Dorfgemeinschaft erhalten bleibt!

Mit dem in der Region einmaligen Pilotprojekt „Tischgemeinschaft“ sollen langfristige, alltagstaugliche Strukturen geschaffen werden, um regelmäßige, generationenübergreifende Versorgung und Betreuung am Wohnort zu ermöglichen, Fahrwege zu vermeiden, Familien zu entlasten und das Dorf lebendig zu erhalten.

Umplanung und Generalsanierung der vorhandenen, mehr als 40 Jahre alten Saalküche würden eine Umnutzung für die regelmäßige Zubereitung von Speisen für Senioren, Schüler und Kindergartenkinder ermöglichen. Es entsteht kein öffentlicher Gastronomiebetrieb, sondern die Speisen werden auf Voranmeldung frisch zubereitet und zum Selbstkostenpreis (bargeldlos im Abonnement) abgegeben. Ein gemeinnütziger Verein betreibt mit 1-2 festangestellten Fachpersonen, ergänzt durch ehrenamtliche Hilfsarbeiter die Einrichtung - ohne Gewinnerzielungsabsicht.
Im zweiten Schritt ist der Anbau eines barrierefrei zugänglichen Generationentreffs im Pavillon-Stil als Speise- und Aufenthaltsraum erforderlich.
Ein entsprechendes städtische Grundstück ist in idealer Lage vorhanden, sodass die bestehenden, kürzlich sanierten sanitären Einrichtungen mitgenutzt werden können.
So können Alt und Jung gemeinsam speisen und anschließend – ganz nach Zeitbudget, Kräften und Gesundheitszustand - miteinander Zeit verbringen:
Wer möchte, kann beim Vorlesen, Lese-Üben oder der Hausaufgaben-Betreuung mitwirken. Gemeinsame Freizeitgestaltung, wie Handarbeiten, Malen, Werken, Tanz, Theater oder ein Spaziergang zum Spielplatz regen Alt und Jung vielseitig an.
Die Angebote von Chor, Sport-, Musik- oder anderen Vereinen können so in den Nachmittag integriert werden, dass zusätzliche "Taxidienste" der Eltern entfallen.
Es gibt bereits Anfragen, ob abholende Eltern, die hungrig von der Arbeit kommen, in einer "zweiten Schicht" ebenfalls an der Tischgemeinschaft teilhaben können. Wir nehmen diese gute Idee auf!
So wird ein familiärer Generationen-Treffpunkt geschaffen und unsere Dorfmitte lebendig erhalten.

Aktuell (August 2020) werden zusammen mit der Stadt Bad Säckingen Förderanträge gestellt. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 6.Juli 2020 das Vorhaben begrüßt und einstimmig unterstützt. Die Presseberichte lesen Sie hier

Mehr Informationen zum Stand des Projektes finden Sie fortlaufend hier.